GEO-Tag der Natur – „featuring Lebensraum Solarpark“

Die Themen Artenvielfalt und Energiegewinnung sind in unserem Landkreis vom Ausschuss für Energie, Landwirtschaft und Umwelt abgedeckt, in dem die Grüne Fraktion naturgemäß sehr aktiv ist. Das Projekt Smart. Bienen. Retten! ist nur eine der Sachen, die wir vorantreiben. Deswegen war ich begeistert, als ich gesehen habe, dass der Solarpark in Olching eine Führung organisiert hat, die die beiden Themen verbunden hat.

Mein Mann und ich sind also hin- (und zurück-) geradelt, insgesamt 83km, um uns das anzuschauen. Die Führung wurde sehr interessant und sachkundig von den Ingenieuren der Betreiberfirma und einem Biologen, Ralf Schreiber, begleitet. Ich habe viel gelernt!

Großen Dank an Ralf Schreiber, der mir folgenden Text zur Verfügung gestellt hat!

Das GEO-Magazin veranstaltet jedes Jahr einen GEO-Tag der Natur. In diesem Jahr stand er unter dem Motto „Lebensraum Solarpark“. Kooperationspartner war diesmal der Bundesverband Neue Energiewirtschaft e.V. (bne). Dessen Mitglieder – Solarunternehmen aus ganz Deutschland – hatten im vergangenen Herbst eine Selbstverpflichtung „Gute Planung von Solarparks“ unterzeichnet, um Biodiversität und Artenvielfalt in ihren so genannten „Solarparks“ einen höheren Stellenwert beizumessen.

Nun wurden am Wochenende vom 12.-13. Juni 2021 erstmals Besucher/innen in ausgewählte Freiflächen-Fotovoltaikanlagen gelassen und Führungen zum Thema Artenvielfalt angeboten. In Olching beteiligte sich die Firma Wattner aus Köln, die auf einem ehemaligen Acker an der B 471 seit 2010 bzw. 2011 eine ca. 12 ha große Anlage mit insgesamt ca. 160.000 Fotovoltaik-Modulen betreibt. Die zwischen den Modultischen eingesäten Salbei-Glatthafer-Wiesen sind mittlerweile Lebensraum für verschiedenste Arten geworden.

In diesem Jahr ist die Natur aufgrund des langen Winters und der nasskalten Witterung im Mai um mehrere Wochen später dran als sonst. Dennoch wurden der Zoologie-Experte Ralf Schreiber und der Botanik-Fachmann Gerhard Suttner fündig. Sie konnten den knapp 50 interessierten Besucherinnen und Besuchern im Solarpark Olching über 60 verschiedene Pflanzenarten, davon allein circa 10 Gräser, sowie knapp 100 verschiedene Tierarten zeigen und erklären. Insbesondere die vielen Blütenpflanzen sind wertvolle Nektar- und Pollen-Quellen für zahlreiche Insekten, die sonst in der Agrarlandschaft im Umfeld keine Nahrung finden. Davon profitieren wiederum Vögel ebenso wie Fledermäuse.

Im wahrsten Sinne des Wortes ‚leuchtendes‘ Beispiel am GEO-Tag der Natur war der Hauhechel-Bläuling (wissenschaftlicher Name: Polyommatus icarus), ein Schmetterling mit blauen Flügeln, von dem hunderte Exemplare zwischen den Modulen um die Hornklee-Blüten flogen, an denen die Raupen fressen. Fast schon in die Tausende gingen die Kleinen Heufalter (Coenonympha pamphilus), typische „Grasfalter“, deren Raupen sich von verschiedenen Gräsern ernähren. Die Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens), die als ausgewachsenes Insekt ebenfalls blaue Flügel hat, war – wie die meisten anderen Heuschrecken-, Wanzen- und Zikaden-Arten – leider erst als (winzige) Larve nachzuweisen. Dafür gaben die Feldgrillen (Gryllus campestris) aktuell und lautstark in den Grünflächen den Ton an. Die Ergebnisse der Arten-Erfassung werden dann in der Oktoberausgabe des GEO-Magazins veröffentlicht.

Die Anlage könnte sogar noch artenreicher sein, bestätigen die beiden Art-Experten. Dafür müsste man aber das „Grünzeug“ nicht wie bisher mulchen, sondern mähen und das Mähgut abtransportieren. (In neueren Anlagen ist dies normalerweise bereits Teil der Genehmigungsauflagen.) Dadurch könnte man dann den Anteil an Blütenpflanzen steigen, was wiederum Bienen, Schmetterlingen & Co. zugute käme. Dies wäre aber deutlich teurer und der Betreiberfirma, die mit dem Sonnenstrom ihr Geld verdient (und nicht mit der „Insektenzucht“), verständlicherweise nicht zumutbar. Deshalb wollen jetzt die Olchinger Grünen nach Landwirten oder anderen Interessenten suchen, die dies zumindest einmal im Jahr kostenneutral – sie bekommen das hochwertige, weil ungedüngte und kräuterreiche Gras bzw. Heu umsonst – übernehmen könnten.

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